19 Mitarbeitende des Dreiland-Klinikums erhalten Silviahemmet-Diplom in Stockholm
Wie kann ein Krankenhaus besser auf Menschen mit Demenz eingehen? Die Kliniken des Landkreises Lörrach wollen dieser Frage künftig noch mehr Raum geben. 19 Mitarbeitende aus Medizin, Pflege und Therapie haben ihre Ausbildung zu Silviahemmet Trainerinnen und Trainern erfolgreich abgeschlossen.
Nach insgesamt 135 Ausbildungsstunden über vier intensive Wochen erhielten sie ihre Diplome in Stockholm – und das in besonderer Atmosphäre: Die Übergabe fand in Gegenwart von Königin Silvia von Schweden statt.
Mit der Qualifizierung geht das zukünftige Dreiland-Klinikum einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer demenzsensiblen Versorgung.
Der Mensch steht im Mittelpunkt
Während ihrer Ausbildung beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem mit Diagnostik und Symptomkontrolle, Kommunikation, der Einbindung von Angehörigen sowie der Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen.
Im Mittelpunkt steht dabei ein personenzentrierter Ansatz: Nicht Menschen mit Demenz sollen sich möglichst gut an die Strukturen eines Krankenhauses anpassen. Vielmehr sollen Strukturen, Abläufe und Mitarbeitende auf ihre besonderen Bedürfnisse eingehen.
„Menschen mit Demenz kommen meist nicht wegen ihrer Demenz zu uns, sondern aufgrund einer akuten oder chronischen Erkrankung“, erklärt Dr. Klaus Steinmeyer-Bauer, Klinischer Geschäftsführer des Dreiland-Klinikums. Eine ungewohnte Umgebung, neue Abläufe und der Verlust vertrauter Bezugspunkte könnten dabei zusätzliche Belastungen darstellen.
19 Mitarbeitende erhalten Diplome in Gegenwart von Königin Silvia von Schweden (© Yanan Li Silviahemmet)
Aus 19 werden viele
Mit dem Abschluss der Ausbildung beginnt nun die nächste Phase. Die 19 neuen Silviahemmet Trainerinnen und Trainer sollen ihr Wissen künftig berufsgruppenübergreifend an Kolleginnen und Kollegen weitergeben.
So soll demenzsensible Kompetenz Schritt für Schritt in die klinischen Teams und den täglichen Krankenhausbetrieb getragen werden.
Das betrifft ganz unterschiedliche Bereiche: die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten, die Gestaltung von Räumen und Abläufen, den Umgang mit Angehörigen und auch die Frage, wie herausforderndes Verhalten interpretiert wird.
Denn Unruhe oder Rückzug können beispielsweise Ausdruck von Angst, Unsicherheit oder Orientierungslosigkeit sein – und nicht einfach ein „Problemverhalten“.
Ein Herzensanliegen von Königin Silvia
Das Silviahemmet-Konzept geht auf Königin Silvia von Schweden zurück. Nach persönlichen Erfahrungen mit der Demenzerkrankung ihrer Mutter gründete sie 1996 die Stiftung Stiftelsen Silviahemmet.
Ziel des Konzepts ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen Wissen, eine personenzentrierte Haltung und entsprechend qualifizierte Mitarbeitende.
Begleitet wurde die Ausbildung der Lörracher Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Dr. Ursula Sottong, Repräsentantin von Stiftelsen Silviahemmet in Deutschland.
Auch die persönliche Begegnung mit Königin Silvia hinterließ Eindruck. Udo Lavendel, Vorsitzender der Geschäftsführung, beschreibt sie als herzlich und präsent – und beeindruckt von der Energie, mit der sie sich für ihr persönliches Herzensanliegen einsetzt.
Demenzsensibel ins neue Klinikum
Die Ausbildung ist Teil der Vorbereitungen auf das zukünftige Dreiland-Klinikum. Mit dem neuen Gesundheitscampus soll nicht nur ein neues Gebäude entstehen. Auch Strukturen, Prozesse, Zusammenarbeit und Versorgungskonzepte werden neu gedacht.
Die demenzsensible Versorgung soll dabei nicht auf einzelne Stationen oder Berufsgruppen beschränkt bleiben. Vielmehr sollen die neuen Trainerinnen und Trainer dabei helfen, eine gemeinsame Haltung im gesamten Klinikum zu entwickeln.
„Mit dem Dreiland-Klinikum haben wir die Chance, nicht nur ein neues Krankenhaus zu bauen, sondern Versorgung neu zu denken“, sagt Udo Lavendel.
Denn die Qualität eines Krankenhauses zeigt sich nicht allein daran, was medizinisch möglich ist. Sondern auch daran, wie Menschen begleitet werden, die besonders auf Verständnis, Empathie und Orientierung angewiesen sind.
Discussion about this post