Manchmal braucht es keine Antwort. Manchmal braucht es einfach einen Menschen, der zuhört, Stille aushält und da ist.
Gerade im Krankenhaus können solche Begegnungen wichtig werden. Eine Diagnose kann das Leben plötzlich verändern, Ängste auslösen oder Fragen nach Hoffnung, Zukunft und dem Sinn des Erlebten aufwerfen. Sieben neue ehrenamtliche Krankenhausseelsorgende möchten Menschen in solchen Situationen begleiten.
Im Rahmen eines Gottesdienstes in der Kapelle des St. Elisabethen-Krankenhauses wurden Albert Brenneisen, Renate Esch, Helene Grieshaber, Judith Kolze, Susanne Korell, Ursula Müller und Gabriele Rück offiziell für ihren Dienst beauftragt. Zuvor hatten sie einen einjährigen Qualifizierungskurs absolviert und waren Ende 2025 zertifiziert worden.
Damit stehen bereits vor der Inbetriebnahme des Dreiland-Klinikums insgesamt zwölf qualifizierte Ehrenamtliche zur Verfügung. Sie unterstützen die hauptamtliche Krankenhausseelsorge und begleiten Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Mitarbeitende.
„Heiligen Boden“ betreten
Wie sensibel diese Aufgabe ist, wurde beim Gottesdienst deutlich. Eine asiatische Weisheit über das Ausziehen der Schuhe bei der Begegnung mit anderen Menschen diente als Leitgedanke: Wer einem anderen Menschen begegnet, betritt gewissermaßen „heiligen Boden“.
Das bedeutet, dem Gegenüber mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen – unabhängig von dessen persönlicher Geschichte, seinem Glauben oder seinen Hoffnungen.
Pfarrer Jörg Hinderer bezeichnete Seelsorge als eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Menschen befänden sich im Krankenhaus häufig in verletzlichen oder belastenden Situationen. Manche vertrauten Seelsorgenden Ängste, Trauer oder Wut an.
Diakonin Eva Nübel betonte, dass es dafür Kraft, Besonnenheit, Einfühlungsvermögen und vor allem die Bereitschaft brauche, die Verletzlichkeit des Lebens auszuhalten.
Beauftragung der ehrenamtlichen Krankenhaus-Seelsorgenden (© Dreiland-Klinikum Lörrach)
Die neuen Ehrenamtlichen werden auch nach ihrer Beauftragung fachlich begleitet. Dazu gehört unter anderem eine regelmäßige Gruppensupervision.
Die Krankenhausseelsorge der Kliniken ist ökumenisch aufgestellt. Neben evangelischen und katholischen Seelsorgenden gehört auch die ehrenamtliche muslimische Seelsorge zum Angebot.
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Dekanin Esther Philipps beschrieb Seelsorgende als „Grenzgänger“, die sich in den Zwischenräumen des Lebens bewegen. Wer sich wirklich auf die Begegnung mit einem anderen Menschen einlasse, könne aus einem Gespräch anders herausgehen, als er hineingegangen sei.
Seelsorge bedeutet deshalb nicht, fertige Antworten zu liefern. Vielmehr geht es darum, die Lebenswirklichkeit eines Menschen anzunehmen und auszuhalten – auch dort, wo Krankheit, Angst, Trauer und Hoffnung aufeinandertreffen.
Zeit, Aufmerksamkeit und Mitgefühl
Welche Bedeutung diese Begleitung für den Krankenhausalltag hat, machte Pflegedirektorin Dubravka Kavur deutlich.
Medizinische und pflegerische Kompetenz seien unverzichtbar. Doch Heilung finde nicht ausschließlich im Operationssaal oder durch Medikamente statt. Sie könne auch dort geschehen, wo ein Mensch einem anderen zuhört, Trost spendet und einfach da ist.
Gerade im hektischen und technisch geprägten Krankenhausalltag entsteht dadurch ein besonderer Raum für menschliche Nähe.
Die Seelsorgenden begleiten dabei nicht nur Patientinnen und Patienten. Auch Angehörige können ihre Sorgen teilen. Für Mitarbeitende können sie eine wichtige Unterstützung sein, wenn sie im Berufsalltag mit schweren Schicksalen konfrontiert werden.
Der Geist des „Eli“ bleibt
Die Beauftragung fand bewusst in der Kapelle des St. Elisabethen-Krankenhauses statt. Sie ist seit Jahrzehnten ein Ort der Ruhe und Stille mitten im Krankenhaus.
Mit der bevorstehenden Inbetriebnahme des Dreiland-Klinikums wird diese Tradition weitergeführt. Auch das neue Klinikum wird über eine Kapelle verfügen.
Udo Lavendel, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht darin mehr als einen Ortswechsel. Eine Haltung soll mitgenommen werden: Ein Krankenhaus lebt nicht nur von Medizin, Pflege, Medizintechnik und funktionierenden Abläufen. Entscheidend ist auch, wie Menschen einander begegnen.
Dankbar Zeit schenken
Besonders persönlich wird diese Haltung am Beispiel von Albert Brenneisen.
Im September 2024 erlitt er einen Schlaganfall. Zeitweise war er gelähmt und konnte nach eigener Schilderung sogar keinen klaren Gedanken fassen. Er erholte sich vollständig.
Während seiner Rehabilitation begegnete er gleichzeitig Menschen, die mit bleibenden Einschränkungen leben mussten. Dass er selbst heute wieder so vieles tun kann, empfindet Brenneisen als ein Geschenk.
Einen Teil dieser „neu geschenkten Zeit“ möchte er deshalb anderen Menschen widmen.
Heute besucht er Patientinnen und Patienten. Dabei hat er gelernt, dass Zuhören manchmal wichtiger sein kann als Reden. Er möchte keine fertigen Antworten liefern. Er möchte da sein, zuhören und auch das aushalten, was Menschen vielleicht sonst niemandem erzählen können.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft der Krankenhausseelsorge:
Zeit schenken. Zuhören. Einfach da sein.
Mit zwölf qualifizierten Ehrenamtlichen wird diese Form der Begleitung bereits vor der Eröffnung des Dreiland-Klinikums weiter gestärkt.
Denn menschliche Zuwendung lässt sich nicht bauen und nicht technisch planen. Aber sie kann einen Unterschied machen – gerade dann, wenn das Leben besonders verletzlich ist.
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